Sonntag, 5. April 2009

Vor dem Spiel gegen Gladbach

Erklärung der Ultras Karlsruhe zum Heimspiel gegen Gladbach:

"In den letzten Tagen wurde viel geredet, geschrieben und in manchen Zeitungen auch (b)lind und hirnlos geschmiert. Doch was hinter den Kulissen passiert ist, wissen sicher nicht Alle.

Fakt ist, dass der offene Brief der Supporters sowie die Ankündigung der Ultras, unter den gegebenen Umständen den organisierten Support einzustellen, eine Menge Bewegung ausgelöst haben. Bei einigen (leider nicht allen) Verantwortlichen hat ein gewisser Umdenkungsprozess begonnen und es wurden dadurch festgefahrene Strukturen aufgebrochen, die notwendig sind um den geforderten Neuanfang zu ermöglichen.

Zudem hat uns das Präsidium Verbesserungen im Bezug auf die Stadionsverbotsfrage zugesagt.

Aus diesem Grund hat die Ultraszene beschlossen, den organisierten Support gegen Gladbach wieder aufzunehmen. Da sich aber bei weitem noch nicht alle Missstände in unserem Verein geändert haben bzw. überhaupt erst thematisiert wurden, werden wir zu Beginn des Spiels die ersten 10 Minuten schweigen, um ein Zeichen zu setzen, dass wir weiterhin unsere kritische Haltung Aufrecht erhalten werden!

Wir hoffen, dass möglichst viele KSC Fans diese Entscheidung mittragen.

Ein weiterer wichtiger Beweggrund für diese Entscheidung sind die mittlerweile hunderte von Mails und Nachrichten, die wir bekommen haben. Viele KSC Fans haben sich zwar einerseits mit unseren Forderungen solidarisiert, aber dennoch darum gebeten, den Zeitpunkt für diesen Boykott nicht gerade bei diesem wichtigen Spiel zu setzen.

Da auch wir uns der Bedeutung  dieses Spiels bewusst sind und wir uns als Teil der Gegengerade sehen, wollen wir diese Umstände nicht außer Acht lassen.

NEUANFANG JETZT"

Sonntag, 22. März 2009

Bayern München - KSC 1:0

„Der KSC ist vom Glück verlassen“ titelt pflichtschuldig Harald Linder im SONNTAG nach der siebten Niederlage der Becker-Elf in diesem Jahr, und man fragt sich, ob noch andere Vereine der Bundesliga mit einem derart flüchtigen Gut wie Glück ihr Schicksal verbinden. Der Blick auf die Tabelle beweist: wohl kaum. Denn völlig zurecht abgeschlagen, mit 17 Punkten und einer Differenz von - mittlerweile unfassbaren - minus 24 Toren nach 25 Spielen, liegt der KSC auf dem letzten Tabellenplatz. Wer an dieser Lage nicht „Schuld“ ist, nämlich der Trainer, wird dann in den drei, sich dem Spiel widmenden Artikeln zuverlässig wiederholt, damit auch der letzte Leser im Verbreitungsgebiet des badischen Tageszeitungsmonopolisten es kapiert. Ede Becker „will den Kopf ebensowenig in den Sand stecken wie Manager Dohmen“ lässt Linder die KSC-Fans wissen, und nicht wenige verstehen diese Ankündigung mittlerweile als Drohung, die Schlimmstes für die kommende Spielzeit befürchten lässt.

 

Das Vertrauen in die Arbeit der Männerfreunde ist - nicht nur - in Kreisen der aktiven und organisierten Anhänger mittlerweile restlos aufgebraucht. Die SUPPORTERS KARLSRUHE machten ihrem Ärger letzten Mittwoch mit einem Schreiben an die KSC-Verantwortlichen in aller Deutlichkeit Luft. „Wir können sehr gut einschätzen,was da vor uns auf dem Rasen und hinter den Kulissen abläuft. Und es führt kein Weg an der Aussage vorbei: Es wurden und werden gravierende Fehler gemacht! (...) Seit der Mitgliederversammlung im September 2008 wird schon vorgebaut („notfalls mit Becker in die 2.Liga“) und Alibis werden vorgeschoben (Finanzen, Pech, Qualität, ...). Das frühzeitige Festlegen auf Personen und damit verbundene Jobgarantien nehmen den Leistungsdruck und die Verantwortung von Spielern, Trainer und Vereinsführung. (...) Wir fordern eine offene Auseinandersetzung auf allen Ebenen mit den hier angesprochenen Fragen und fordern alle auf, denen unser KSC am Herzen liegt: Macht mit! Redet, diskutiert und vor allem: Handelt dementsprechend!“. Zunächst an die gewählten Gremien, dann an die Mitglieder des Dachverbands der KSC-Fans ging diese Aufforderung, die Entwicklung des Vereins grundlegend zu diskutieren.

 

Doch offene Auseinandersetzungen scheut man im Wildpark, und den von den SUPPORTERS gewählten, internen Weg hat man im Präsidium präzise sofort verlassen. So ist Harald Linders Kommentar im KURIER vom letzten Freitag durchaus als Absage der Vereinsführung an seine kritischen Mitglieder und Anhänger zu verstehen, sich an irgendeiner Diskussion zu beteiligen. Als „Leichenfledderer“ und „profilierungsgeile Vereinsfunktionäre“ werden diejenigen im KSC-Umfeld beschimpft, die sich nicht Woche für Woche mit den gleichen Durchhalteparolen abspeisen lassen wollen und entgegen den derzeit Handelnden bereit sind, Personalentscheidungen dem Vereinsziel des maximal möglichen sportlichen Erfolgs unterzuordnen.

 

„Grenzenlose Arroganz“ wirft Linder den SUPPORTERS vor, die den Unmut ihrer Mitglieder in Form und Sache korrekt artikuliert haben, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit darstellen sollte. Für Harald Linder nicht, aus seiner Sicht eint alle Kritiker der Vereinsführung der niedrige Impuls, obwohl der Kampf gegen den Abstieg nicht vorbei sei „schon jetzt auf die Suche nach den Schuldigen“ zu gehen. Dabei überhört er bestenfalls in seinem heiligen Zorn, dass die Supporters von VERANTWORTUNG und ALTERNATIVEN, nicht von Schuld sprechen, ein entscheidender Unterschied. Denn die Verantwortung tragen nunmal die Verantwortlichen, und wenn ihnen die eines Bundesligafußballclubs obliegt, müssen sie sich auch an der in der Tabelle ablesbaren Leistungsbilanz messen lassen.

 

Die derzeit amtierende Führung des KSC hat ausgedient - sportlich, wirtschaftlich und ideell. Wie will ein Trainer, dessen Maßnahmen im laufenden Spielbetrieb zu einer Negativbilanz fast ohne Beispiel geführt haben, einer verunsicherten und von Niederlagen gezeichneten Mannschaft noch glaubwürdig zutrauen in das eigene Leistungsvermögen vermitteln? Wie will ein Manager, der sich in zwei Transferperioden nicht in der Lage sah, die Probleme des KSC vor dem Tor substantiell zu lösen, der nach der Niederlage gegen Bielefeld leichenblass seine Ratlosigkeit in die Fernsehkameras artikuliert, einen Neuaufbau in der Zweiten Liga angehen? Und wie will erst ein Präsidium, das in der Phase der Euphorie während und nach dem Aufstieg keine grundlegende Verbesserung der Einnahmen oder die Lösung der Stadionfrage vorantreiben konnte, unter den Bedingungen der akuten Wirtschaftskrise den Verein handlungsfähig halten?

 

Die SUPPORTERS schreiben, sie „wollen keine Schlammschlacht“, doch die Art und Weise der diskursiven Auseinandersetzung innerhalb eines Vereins orientiert sich wohl kaum am Willen einer der beteiligten Parteien. Der grundsätzliche Dissens im KSC ist nicht mehr im Status quo aufzulösen, die „Schlammschlacht“ ist so gesehen nicht erst seit dem Brief  und der Reaktion des Präsidiums darauf in vollem Gange. Wer jetzt noch den Konsens und einvernehmliche Lösungen sucht, wird mit Sicherheit die geringste Möglichkeit haben, seine Vorstellungen durchzusetzen. Es wird bestimmt hässlich werden in den nächsten Wochen, aber noch hässlicher wird es, wenn diesem Konflikt aus dem Weg gegangen wird.


In diesem Sinne: Wir müssen da durch. Traut euch was. Ihr wisst, wer ihr seid.